Ein Weg aus der Gewalt für Massai-Mädchen in Kenia

Zwangsehe und Genitalbeschneidung von Mädchen sind bei den Massai-Stämmen in Kenia feste Tradition. Die jungen Frauen sind den gesundheitlichen und seelischen Folgen aufgrund des sozialen Drucks hilflos ausgesetzt. Das von ADRA unterstützte Rehabilitations- und Rettungszentrum in Kajiado wurde vor zehn Jahren ins Leben gerufen, um junge Massai-Mädchen vor Gewalt und Zwängen innerhalb ihres Stammes zu retten.

Zwangsheirat und Genitalbeschneidung

Das Rollenbild der Frau bei den Massai hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert. Ihre Hauptaufgabe liegt darin, zu heiraten, Kinder zu gebären und die Familien zu versorgen. Bei einer Hochzeit steht nicht das Wohlergehen der Braut im Vordergrund, sondern entscheidend ist die Mitgift. Das Ritual der Genitalbeschneidung symbolisiert Reife und bedeutet, als Frau anerkannt zu werden. Viele der Mädchen müssen deshalb große Schmerzen erleiden und werden von Infektionskrankheiten heimgesucht.

Schutz und Sicherheit

Das adventistische Rehabilitations- und Rettungszentrum wurde eingerichtet, um Mädchen zu helfen die Gewalt erleiden mussten, zwangsverheiratet wurden oder unter körperlichen Beschwerden aufgrund von Genitalbeschneidung leiden. Im Jahre 2000 hatten 14 Mädchen im Zentrum in Kajiado Zuflucht gefunden. Inzwischen ist es das Zuhause von fast zweihundert Kindern. Das Zentrum ermöglicht ihnen Zugang zu Bildung, Sicherheit, medizinische Versorgung sowie ein familiäres und liebevolles Umfeld. ADRA unterstützt die Kinder mit Schulgeldern, ermöglichte eine Renovierung der Gebäude sowie Neuanstellungen in Heim und Schule. Auch als die Dürre im Jahre 2011 über das Land hereinbrach half ADRA mittels Wasser- und Essensversorgung.

Kajiado County liegt in einer Gegend, in der chronischer Wassermangel herrscht und häufig wiederkehrende Dürren auftreten. Da ein weit vom Schulgelände entferntes Wasserbohrloch nicht mehr funktional ist und es zudem Probleme mit der Verlegung von Leitungen gab, benötigt das Schul- und Zufluchtszentrum dringend eine eigene Wasserversorgung. Dadurch wird der Eigenbedarf der Schule sichergestellt, die Hygienesituation verbessert und das Wasser kann zudem für den Ausbau der landwirtschaftlichen Felder und deren Bewässerung verwendet werden. Dies ermöglicht den Ausbau von Gemüse- und Getreideanbau, durch den Verkauf von Überschüssen wird das Einkommen der Schule erhöht.

Das Schicksal von Nashipae

Eines der Mädchen im Rettungszentrum ist Nashipae.
Sie kommt aus einer großen polygamen Familie, die in extremer Armut lebt. Ihre Eltern sind Analphabeten. Ihr Vater hat vier Frauen und 23 Kinder, davon sind elf Jungen und zwölf Mädchen. Den Besuch einer Schule verbietet er seinen Töchtern. Seiner Ansicht nach ist es die Aufgabe seiner Töchter, durch Brautgabe (Ehegeld) der Familie Reichtum zu bringen. Zwei von Nashipaes Schwestern wurden bereits im frühen Kindesalter verheiratet. Eine andere Schwester, Reson, ist ebenfalls früh verheiratet worden, konnte jedoch rechtzeitig durch eine Aktivistin acht Monate später gerettet und im Kajiado Adventist Rescue Centre untergebracht werden. Nun befinden sich Nashipae und Reson in Sicherheit, besuchen dieselbe Schule und sind somit vor Zwangsheirat geschützt.