Neue Zukunftsperspektiven für Nomaden in der Mongolei

Bereits seit über 15 Jahren ist ADRA Deutschland in der Mongolei aktiv, denn das raue Klima sowie die hohen Arbeitslosenzahlen führen zu großer Armut im Land. Derzeit unterstützt ADRA einen Genossenschaftsverband in der Provinz Zavkhan, bestehend aus 15 Kooperativen. Anna Krikun, Regionalkoordinatorin Südostasien & Pazifik, berichtet, wie ADRA das Leben der Menschen verändert.

Wollprodukte der Kooperative

Wollverarbeitung

Verschiedene traditionelle Produkte

Verschiedene Lebensmittel, die die Kooperative produziert.

Milchprodukte der Kooperative

Traditionelle Kleidung

Beautysalon in der Provinzhauptstadt Uliastai

Der erste "Youth Club" der Kooperative.

Warum benötigen die Nomaden in der Mongolei Hilfe?

Die Mongolei wird immer wieder von sogenannten Dsuds mit Temperaturen von bis -50 Grad heimgesucht. Dabei handelt es sich um sehr schneereiche Winter, die es den Tierherden erschweren, Futter zu finden. Ein Großteil der Viehherden der Nomaden stirbt dann aufgrund von Hunger und Kälte. Ihr Verlust stürzt die Menschen in Not und Armut, denn die Tiere sind ihr wichtigste Nahrungsquelle. Hinzu kommt, dass in der Mongolei eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht und die Nomaden kaum Möglichkeiten haben, ihren Lebensunterhalt anderweitig zu bestreiten.

Was sind die konkreten Maßnahmen, mit denen ADRA die mongolischen Hirten unterstützt?

ADRA unterstützt die Nomaden bei der Bildung von so genannten Kooperativen. Dabei handelt es sich um Erzeugergemeinschaften, die durch den Zusammenschluss einzelner Bauern ihre Kompetenzen bündeln und damit eine bessere Markt- und Verhandlungsposition erreichen. Sie lernen Gemüse anzubauen, zu verarbeiten, zu lagern und haltbar zu machen. Sie pflanzen Viehfutter an und bauen Gewächshäuser. Gerade Gewächshäuser sind in den kalten Regionen der Mongolei wichtig, denn der Permafrostboden taut nur für kurze Zeit oberflächlich auf. Zusätzlich produzieren die Kooperativen traditionelle Kleidung und Produkte aus Wolle, Milch und Getreide für den lokalen Markt sowie den Export nach China und Russland. Dabei erhalten sie von ADRA Unterstützung in Form von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu Produktqualität, Ertragssteigerung, Marketing, Vertrieb und Geschäftsführung.

Inwiefern unterstützt ADRA speziell die jüngere Generation, um sie vor Arbeitslosigkeit zu bewahren?

Als neue Maßnahme ist die Gründung eines so genannten „Youth Clubs“ hinzugekommen. Viele junge Leute sind zwar gut gebildet und studieren in der Stadt, können aber wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage des Landes anschließend keine Arbeit finden. Sie kehren zurück zu ihren Eltern aufs Land, wo ihre Zukunftsperspektiven aber auch nicht besser sind. Der „Youth Club“ bringt ihnen das Konzept der Kooperativen näher und lädt sie zum Austausch und Weiterbildung ein. So haben bereits viele junge Leute Interesse an der Arbeit innerhalb der Kooperativen gefunden und arbeiten aktiv mit. Auf diese Weise erhalten sie eine ganz neue Zukunftsperspektive.

Welche Fortschritte haben die Begünstigten bis jetzt gemacht?

ADRA hat in den vergangenen Jahren in mehreren Provinzen Kooperativen gegründet, die jetzt erfolgreich und eigenständig weitergeführt werden. Die Kooperativen des aktuellen Projektes haben mittlerweile ebenfalls einen hohen Grad an Professionalität erreicht und werden nach Ende des Projektzeitraums selbstständig weiterarbeiten können. Ihre Produkte können sich auf dem Markt behaupten und werden stark nachgefragt. Eine Besonderheit ist diesmal die Gründung eines Beautysalons in der Provinzhauptstadt Uliastai, der sogar zu den größten und erfolgreichsten des Landes gehört und den Arbeitsmarkt der Stadt positiv bereichert.

Was plant ADRA für die Zukunft?

ADRA strebt die Bildung eines Netzwerks von Stakeholdern bestehend aus Regierungsbehörden, Lehrinstituten und Wirtschaftsunternehmen an, welches sich künftig am Bildungs- und Professionalisierungsprozess der Kooperativen aktiv beteiligt. Es soll zukünftig die Aufgaben von ADRA übernehmen, die Kooperativen beispielsweise mit Trainings unterstützen und sie gegenüber Großhändlern vertreten. Auf diese Weise wird ein dynamischer Prozess angestoßen, der die ökonomische Infrastruktur des Landes zum Positiven verändern wird.

Anna Krikun, Regionalkoordinatorin Südostasien & Pazifik

 

Dieses Projekt wird unterstützt von:

 

Erfolgsgeschichten

Nasanerdene, 26, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren: „Ich habe in einer Bank gearbeitet, allerdings nur als Vertretung und habe den Job anschließend wieder verloren. Dann habe ich mich mit Kooperativen beschäftigt und mich dazu entschlossen, selbst eine Kooperative zu gründen, von der meine Gemeinde profitieren kann. In Uliastai bin ich dann auf das Büro eines von ADRA initiierten Genossenschaftsverbandes gestoßen, wo ich sehr gut beraten und unterstützt wurde. Schließlich konnte ich die neue Kooperative am 21. Februar 2017 gründen.

Außerdem bin ich Mitglied und Gründerin des „Youth Clubs“.  Ich denke, es ist wichtig, dass angesichts der hohen Arbeitslosenquote auch junge Leute den Kooperativen beitreten. Denn sie geben ihnen eine neue Zukunftsperspektive. In unserem „Club“ tauschen wir Wissen und Erfahrungen aus und geben Trainings für neue Kooperativen und Produzenten geben. Ich bin ADRA dankbar, dass wir diese Chance bekommen haben!“