Neue Hoffnung für Vertriebene im Südsudan

Der Bundesstaat Upper Nile steht u.a. seit Beginn des Bürgerkrieges im Dezember 2013 im Zentrum der humanitären Hilfe. In die Bezirke Nasir und Ulang entlang des Sobat Flusskorridors sind viele Menschen geflohen und haben sich dort angesiedelt. Dawit Mehari, Länderkoordinator Äthiopien und Südsudan, war vor Ort und schildert, wie ADRA den Hunger in der Region bekämpft.

Die Bauern können einen guten Ertrag erwarten.

Bauern bei der gemeinsamen Feldarbeiten.

Die Bauern verkaufen einen Teil ihrer Ernte auf dem lokalen Markt.

Die Tiersterblichkeit ist erheblich zurückgegangen und die Rinder produzieren deutlich mehr Milch als vorher.

Ein Fischer bereitet sein Netz vor.

Fischer kehren mit ihrem Fang zurück.

Die Fische werden getrocknet und sogar über die Landesgrenze hinaus verkauft.

Wie ist die Lage in der Projektregion aktuell?

Im Gegensatz zu anderen Regionen im Südsudan, ist die Lage in den Bezirken Nasir und Ulang relativ stabil, aber dennoch zeitweise fragil. Sporadisch kommt es in diesem Gebiet zu kämpferischen Auseinandersetzungen und ethnischen Konflikten. Das Zusammenleben mit den Gastkommunen verläuft dagegen friedlich. Derzeit ist Regenzeit und die Menschen bestellen ihre Felder.

Was sind die größten Probleme für Vertriebene und Gastkommunen?

Alle Binnenvertriebenen müssen ganz von vorne beginnen, denn durch den Bürgerkrieg wurden ihre Dörfer zerstört und sie haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Ihnen fehlt das eigene Land, Produktionsmittel und Vieh, um sich selbst versorgen zu können. Des Weiteren reichen ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse, die auf traditionellen Methoden beruhen, nicht aus, um eine höhere Produktivität zu erzielen. Dies ist aber erforderlich, um Überschüsse zu erwirtschaften, damit sie Rücklagen und Vorräte bilden können. Wiederholt kommt es zu Ernteverlusten durch saisonal bedingte Überflutungen und Schädlingsbefall. Ein weiteres Problem ist die Tiersterblichkeit, die aufgrund von Krankheiten und fehlenden präventiven Impfungen recht hoch ist. Insgesamt führen alle diese Faktoren letztendlich zu chronischem Hunger und Mangelernährung.

Wie hilft ADRA den Hunger bzw. die chronische Ernährungsunsicherheit zu bekämpfen?

Alle Maßnahmen von ADRA sind darauf ausgerichtet, dass sich die Menschen langfristig selbst helfen können. Nachhaltigkeit ist uns ein Anliegen. Deshalb werden Produktionsmittel für Landwirtschaft und Fischerei an die Menschen verteilt, damit sie ihre Lebensgrundlage wieder aktiv mitgestalten können. Um das bestehende Potential voll auszuschöpfen, erhalten sie Schulungen in nachhaltigen landwirtschaftlichen Techniken einschließlich Fischerei. Neben der Landwirtschaft und Fischerei ist die Viehhaltung für die Menschen von essentieller Bedeutung. Abgesehen vom Besitz des Viehs, dient die Milch der Ernährung, während Dung ein wesentlicher Bestandteil der organischen Landwirtschaft ist. Den Menschen werden tiermedizinische Kenntnisse vermittelt und es werden tiermedizinische Dorfhelfer ausgebildet, welche in Zusammenarbeit mit Veterinärmedizinischen Fachkräften (von ADRA) Behandlungen von Tieren durchführen.

Welche Projektaktivitäten gibt es noch?

Darüber hinaus werden Workshops zur Führung von Kleinstunternehmen durchgeführt, damit die Begünstigten lernen, wie sie ihre Erzeugnisse vermarkten und Rücklagen bilden können. Zu diesem Zweck werden auf Dorfebene „Spar- und Kleinkreditgruppen“ geschult, die ähnlich einer Bank Geld ansparen und für Investitionen verleihen können. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts ist der Aufbau von Saatgutbanken. So wird sichergestellt, dass ausreichend Saatgut der wichtigsten und resistenten Kulturarten und einheimischen Getreidesorten erhalten bleiben, die den Bauern für die nächste Aussaat zur Verfügung stehen und nicht im Fall von Hungersnöten verzehrt werden. 

Was hat ADRA seit Beginn des Projekts im November 2015 in der Projektregion erreicht?

Mit den Hilfsmaßnahmen hat ADRA insgesamt 10.000 Haushalte erreicht und in der Land- und Viehwirtschaft, Fischerei und Einkommensförderung unterstützt. Die Begünstigten konnten sehr gute Erfolge erzielen. Sie haben Überschüsse an Getreide und Gemüse sowie aus dem Fischfang erwirtschaftet und einen beträchtlichen Teil auf den lokalen Märkten verkauft. Zum Teil werden die Fische getrocknet und sogar über die Landesgrenze hinaus verkauft. Von dem Verkaufserlös haben die Menschen Rücklagen gebildet, auf die sie in schweren Zeiten zurückgreifen oder in ihre Produktion reinvestieren können. Außerdem ist die Tiersterblichkeit erheblich zurückgegangen und die Rinder produzieren deutlich mehr Milch als vorher. Die Milch dient den Menschen als Lebensmittel und trägt zu einem zusätzlichen Einkommen bei.

Was sind die langfristigen Ziele von ADRA im Südsudan?

Um Nachhaltigkeit zu erreichen, brauchen die Menschen noch weiterhin Unterstützung, deshalb strebt ADRA an, den Projektzeitraum zu verlängern. Nur so kann die Eigenständigkeit der Menschen langfristig sichergestellt werden. Außerdem soll das Projekt durch weitere Komponenten ergänzt werden, wie zum Beispiel durch die Einrichtung von dörflichen Tierapotheken und solarbetriebenen Bewässerungssystemen sowie Schulungen zu verbesserten Fischtrocknungsmethoden.

Dawit Mehari, Länderkoordinator für Äthiopien und Südsudan

 

Dieses Projekt wird unterstützt von

Erfolgsgeschichten

Marry Yor Deng wurde 2014 aus ihrem Heimatdorf vertrieben. Jetzt führt sie ein kleines Restaurant und einen Laden in Mandeng Payam, sie sagt: „Bevor ADRA kam, wusste ich nicht, wie man ein Geschäft führt, wie man die Produkte vermarktet und Rücklagen bildet. Ich hatte kaum Einkommen und wenig zum Essen. Dank ADRA konnte ich an Schulungen teilnehmen, die mir dabei geholfen haben, mein Geschäft erfolgreich aufzubauen und zu führen. Jetzt können meine Kinder und ich drei Mahlzeiten am Tag essen und ich kann meine Familie gut versorgen.“

Choat Nyang Riek gehört zur Fischergruppe in Makak Payam. Hierhin floh er im Januar 2016. Von ADRA erhielt er eine Ausrüstung zum Fischen und es wurden ihm Basiskenntnisse für Kleinstunternehmen vermittelt, er sagt: „Ich gehe jetzt nicht nur fischen, sondern ich habe gelernt, wie ich die Fische vermarkten und profitabel von der Fischerei leben kann. Ich kann meine Familie wieder versorgen und die Schulgebühren für meine Kinder bezahlen. Wir essen wieder drei Mahlzeiten am Tag und müssen nicht mehr hungern.“