89 Prozent der Weltbevölkerung haben Zugang zu sauberem Wasser, so der Weltwasserbericht der Vereinten Nationen. Ein Grund zur Freude, denn dadurch wurde eines der Millenniumsziele vorzeitig erreicht. Dennoch bleiben die Ärmsten der Armen weiterhin ausgeschlossen. Täglich sterben mehr als 3000 Kinder weltweit an Durchfallerkrankungen, die auf das Fehlen von sauberem Trinkwasser und mangelnde Hygiene zurückzuführen sind. Wie steht es wirklich um die Versorgung mit dem Lebensmittel Nummer 1?
Die morgendliche Routine nach dem Aufstehen ist für den 10-jährigen Peter aus Berlin stets gleich. Sein erster Weg führt ins Badezimmer. Dort öffnet er den Wasserhahn, klatscht sich eine Hand voll kühles Nass ins Gesicht und putzt sich unter dem immer noch laufenden Hahn die Zähne. Dann geht er aufs Klo. Schnell noch die Spülung gedrückt, dann springt er unter die Dusche. Nach 10 Minuten des üblichen Hygienerituals steigt Peter sauber wieder aus der Dusche und setzt sich fertig angezogen an den gedeckten Frühstückstisch.
Bei dem kleinen Mohammed aus Somalia verläuft der Tag ganz anders an. Auch er steht um 6.00 Uhr früh auf, allerdings führt ihn sein erster Weg nicht ins Bad, das er ohnehin nicht besitzt. Er nimmt sich den größten Wasserkanister, den er in der 10m² großen Hütte finden kann, in der er mit seiner Mutter und den sechs Geschwistern lebt, und macht sich auf den Weg zur nächsten Trinkwasserquelle. Eine gute Stunde Fußmarsch über eine Steilklippe liegen vor ihm und wenn er mit dem vollen 10L Kanister nach Hause kommt, wird das Wasser gerade einmal für die dringendsten Bedürfnisse reichen – die Hygiene kommt dabei an letzter Stelle. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der tägliche Wasserverbrauch pro Kopf bei über 120 Litern und dabei ist der Wasserbedarf für die Herstellung vieler Lebensmittel noch nicht mit eingerechnet.
Die Unterschiede werden mehr als deutlich. In Afrika und anderen least developed countries gibt es noch immer zahlreiche Regionen, in denen die Zahl der Bevölkerung, die an die Wasserversorgung angeschlossen ist, bei nur 11 Prozent liegt. In den ländlichen Regionen sind es sogar gerade einmal 3 Prozent. Dies wird in der positiven Bilanz des Weltwasserberichts nicht deutlich. Außerdem sagt die Zahl nichts über die Qualität des Trinkwassers aus und über die Frage, ob sich die Menschen dieses Wasser leisten können. Viele ländliche Regionen sind schwer zu erreichen und die Versorgungskosten daher groß.
Der diesjährige Weltwassertag steht unter dem Motto "Wasser und Nahrungssicherheit", ein Themenspektrum, das ADRA besonders am Herzen liegt, denn Wasser spielt bei der nachhaltigen humanitären Hilfe eine ganz entscheidende Rolle. Knapp 800 Millionen Menschen haben derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ohne eine ausreichende Menge sauberen Wassers sind alle weiteren Hilfeleistungen für sie meist hinfällig, denn vor allem die Wasserversorgung entscheidet oft über Leben und tot.
Auch Hungersnöte wie die kürzliche in Ost-Afrika oder die bevorstehende Krise in West-Afrika sind auf Wassermangel gegründet.
Präzisere Frühwarnsysteme, bessere Vorratshaltungen und ein erfolgreiches Wassermanagement hätten Schlimmeres verhindern können.
Doch die Verfügbarkeit sauberen Trinkwassers ist nur ein Teilbereich, auf den wir als Hilfeleistende achten müssen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sanitärversorgung, die in der Vergangenheit oft vernachlässigt wurde. Ohne Toiletten und ausreichende Hygiene brechen Krankheiten wie Cholera aus, die zu einer Dehydrierung und somit ebenfalls zum Tode führen. Auch hier spielt das Wasser eine wesentliche Rolle. In Hygieneschulungen macht ADRA den Menschen immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, sich nach dem Toilettengang und natürlich vor der Zubereitung von Mahlzeiten die Hände zu säubern. Was bei uns bereits seit Jahren in Fleisch und Blut übergegangen ist, ist für viele Menschen in Entwicklungsländern völlig neu.
In Somalia hat ADRA seit der großen Dürre im Sommer vergangenen Jahres Projekte in den Regionen Galmudug und Eyl gestartet. ADRA führt dort Bohrungen durch, um neue Wasserquellen zu erschließen und repariert Brunnen in Galmudug und Puntland. Zusätzlich stellt ADRA tausende Liter sauberes Trinkwasser in Wassertanks zur Verfügung. Durch diese Maßnahmen haben in Somaliland, Zentral Somalia und Puntland insgesamt knapp 120.000 Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Auch in Haiti verhalf ADRA den Menschen zu sauberem Trinkwasser. Von Mitte Mai 2011 bis Februar 2012 lief unsere Wasseraufbereitungsanlage in Petit Goave auf Hochtouren. Zwischen 30.000 und 40.000 Liter Wasser wurden täglich gereinigt. 1600 Familien hatten so täglich einen Zugang zu 20 Litern sauberem Wasser. Im September 2011 startete ADRA außerdem ein Projekt zur langfristigen Sicherstellung sauberen Wassers. Dabei werden neue Wasserquellen erschlossen und gesichert sowie Brunnen gebaut. Zusätzlich sorgen neue Toiletten für eine bessere Hygiene und ADRA schult die Bevölkerung in den Bereichen Wasser, Hygiene und Sanitär.
In Laos installiert ADRA seit August 2009 Wassersysteme, um die Gesundheit der Menschen zu stabilisieren.
Auch in Indien ist ADRA nach den Überschwemmungen in Orissa Ende 2011 aktiv. In 12 Dörfern erhöht ADRA mit der Hilfe der Bewohner 60 Brunnen, um sauberes Trinkwasser zu gewährleisten – auch bei einer weiteren Überschwemmung. Außerdem bietet ADRA Hygieneschulungen an. Insgesamt können über 19.840 Menschen direkt von dem Projekt profitieren.
Es gibt noch viele weitere Projekte, in denen ADRA Menschen ihr Recht auf sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung ermöglichen will. Dieses Ziel können wir aber nur mit der Unterstützung unserer Spender erreichen.
Helfen auch Sie, denn Wasser ist Leben.