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22. August 2012

Dieser Artikel wurde am
22. August 2012 von Heinz-Hartmut Wilfert veröffentlicht.

Wohin steuert die Entwicklungszusammenarbeit? Ein Rückblick in die Zukunft

Neben platzenden Finanzblasen gab und gibt es im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit immer wieder neue "Wortblasen" wie Wirtschaftsförderung, Modernisierungsprogramme, nachholende Entwicklung, Technologie-Transfer, Kapital-Transfer und vieles mehr. Für einen gewissen Zeitraum erregen sie Aufmerksamkeit, werden zum aktuellen Gesprächsstoff, bis sie von einem neuen Schlagwort abgelöst werden. Doch was meint "zukunftsfähige Entwicklung" eigentlich? Um die Zusammenhänge zu verstehen, zunächst ein Rückblick auf das, was bisher im Denken und Handeln der internationalen Entwicklungszusammenarbeit geschehen ist.

Ganz kurz im Rückblick einige Schlaglichter:

1932: Roosevelt und der New Deal

Nach den furchtbaren Schäden, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, sollte im Sinne des "New Deals" wirtschaftliches Wachstum für Aufschwung und damit auch mehr Gerechtigkeit sorgen.

50er Jahre: Entwicklungspolitisches Denken nimmt Form an

Schon bald dominierte in den fünfziger Jahren der Gedanke, dass eine florierende Wirtschaft so viel Kapital zusammenbringt, dass man die Produktivität noch mehr steigern könne. Die Industrie baute auf, modernisierte und die Schornsteine in Deutschland rauchten wieder. Wohnraum wurde geschaffen. Doch international blieb der Kampf gegen Hunger, Armut und ungleicher Verteilung erfolglos.

60er Jahre: Wirtschaftswachstum – "Geh'n Sie mit der Konjunktur!"

In der Dekade der sechziger Jahre macht man sich über die immer schärferen Gegensätze ernsthafte Gedanken. In Amerika wird USAid, in Deutschland das BMZ gegründet. Auch ADRA International tritt in dieser Zeit auf die Bühne.

Viele dieser Gründungen – Organisationen, Institutionen und Stiftungen – sind bis heute wichtige Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit. Aber nicht nur reiner Humanismus steckt hinter den meisten Initiativen, es geht auch um den Einfluss auf andere Länder, die Erschließung neuer Märkte und man sieht sich in harter Konkurrenz zu kommunistischen und maoistischen Ländern. Ein Konflikt, der neue Spannungen und Verwerfungen zwischen Ost und West hervorbringt und sich in Deutschland in den politischen Auseinandersetzungen um Kuba, Che Guevara, Vietnam, Mao-Bibel, Marxismus und Leninismus widerspiegelt. Entwicklungshilfe versteht man in diesen Jahren vor allem als Technologie-Transfer, Industrialisierung und Investition. Viele deutsche Firmen expandieren, exportieren und gründen international ihre Niederlassungen. Allerdings fehlen – vor allem nach dem Bau der Mauer im Jahr 1961 - in Westdeutschland kriegsbedingt Männer im arbeitsfähigen Alter. Gastarbeiter aus Italien und der Türkei sorgen für den weiteren Aufbau unserer Wirtschaftskraft.  

Es sind politisch unruhige Jahre, die sogenannten "68-er". Wachstum und Entwicklung bauen vor allem die westlichen Staaten Europas auf. Der Osten bleibt hermetisch abgeschlossen. In Amerika verstärken sich die Ungleichheiten zwischen den Vereinigten Staaten und den Ländern Lateinamerikas. Keine Mauer, aber ein streng bewachter Zaun trennt dort zwei sehr unterschiedene Wirtschaftsbereiche. Die Welt ist in diesen Jahren voller Konflikte, Bürgerkriege und Kriege sowohl in Asien als auch in Afrika und Südamerika. Um sich Märkte zu sichern – und natürlich auch politischen Einfluss – arbeiten die Industrienationen aus Ost und West vor allem in politisch fragilen Staaten mit fragwürdigen Machthabern und Diktatoren zusammen, die dabei ihre eigenen finanziellen Vorteile im Auge haben. Doch die Frage nach Regierungen oder Partnern ist bei der Auswahl untergeordnet. Das Motto heißt: Hauptsache Wachstum, alles andere – auch die Umverteilung – regelt sich später.

70er Jahre: Kurven mit Knick

In den siebziger Jahren wird offenbar, dass die Rechnung nicht aufgeht. Es klappt nicht mit der Umverteilung, die Kapitalströme sind nicht steuerbar, viele Firmen – auch in Deutschland – sind richtig stark geworden. Sie werden nun Aktiengesellschaften und steigen in den internationalen Börsenmarkt ein. Neue Fragen stehen jetzt im Mittelpunkt der Konzerne: Wie können wir wachsen und eigenständig am Börsenmarkt überleben? Ein Trend setzt sich fort, die Gewinne der Aktionäre steigen, die Einkünfte der Arbeiter stagnieren, für Hunger und Armut in der Dritten Welt bleibt wieder nicht viel übrig. Vielmehr lassen Demokratisierungsprozesse auf sich warten. Die Karten des globalen "Monopoly" zwischen USA, Europa, Sowjetunion, China sowie arabischen und afrikanischen Ländern werden neu gemischt, zumal sie bei den UN nun alle an einem Tisch sitzen. Ölpreis-Schock, Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit versetzen dem Aufschwung der vergangenen Jahre einen heftigen Dämpfer. Ernst Friedrich Schumacher, deutschstämmiger Ökonom in London veröffentlicht sein Buch "Small is Beautiful" – fast könnte man meinen, seine Worte seien aktuell gesprochen, denn: Läuft die Wirtschaft zu heiß, gibt es an anderen Stellen Schmelzprozesse. Nun geht es darum, im eigenen Haus Ordnung zu schaffen und für sozialen Ausgleich zu sorgen – Wachstum ist dazu allerdings notwendig, doch die Grenzen werden sichtbar. (Club of Rome)

Fortsetzung des Artikels:

Wohin steuert die Entwicklungszusammenarbeit? Ein Rückblick in die Zukunft [Teil 2]