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03. Februar 2011

Dieser Artikel wurde am
03. Februar 2011 von Heinz-Hartmut Wilfert veröffentlicht.

Weibliche Genitalverstümmelung – eine fest verankerte Tradition

Nicht der Kampf gegen Traditionen, die gemeinsame Suche nach alternativen Riten scheinen Erfolg zu versprechen.   Das Leiden der Frauen und Mädchen vor allem in Afrika will nicht enden. In manchen Ländern sind weit über 90 Prozent der Frauen beschnitten – weltweit mindestens 140 Millionen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation.

Der Ritus ist so stark mit der Tradition, dem Denken der Menschen verbunden, dass es unmöglich ist, ihn innerhalb kurzer Zeit abzuschaffen. Beschneidung bedeutet für manches Mädchen, eine Mutprobe abzulegen, erwachsen zu werden, den Wünschen der Männer zu entsprechen.

Druck von vielen Seiten

Immens auch der Druck der Eltern, der Ältesten, der gesamten  Dorfgemeinschaft und nicht zuletzt der Beschneiderinnen, die mit ihrer angesehenen Rolle überdurchschnittlich gut verdienen. Die Beschneidung selber ist sehr häufig ritueller Bestandteil der Vorbereitungszeit junger Mädchen auf ihre Aufgaben als Ehefrauen und Mütter. Die erfahrenen, alten Frauen nehmen sie gesondert für etwa zwei Wochen zusammen und geben ihnen ihr Wissen so weiter, wie sie es selber auch vermittelt bekamen. Viele von ihnen leisten auch als Hebammen ihre Dienste. Beschneidung und Verschließung sind Reinigung und Versiegelung zugleich, Aufbewahrung für den Ehemann.

Flucht in das Ungewisse

Heute versuchen immer mehr Mädchen, diesem gefährlichen Eingriff durch Flucht aus der Dorfgemeinschaft zu entgehen. Doch wie soll ihr Leben weiter gehen? Die Straße bietet oft nur eine Zukunft: Die Prostitution. Auf der Straße sind viele der Mädchen gefunden und aufgegriffen worden, die heute im Schulheim Kajiado eine Zuflucht gefunden haben. Sie erhalten hier  eine sichere Unterkunft und Verpflegung – vor allem aber Schulunterricht und berufliche Ausbildung, damit sie ihren Unterhalt später selbst bestreiten können.
Mit großer Geduld und viel Feingefühl werden die jungen Frauen hier auch auf die Ehe und ihre Mutterrolle vorbereitet. Sie müssen ihre neu erworbenen Kenntnisse in einem Test unter Beweis stellen und erhalten dann im Rahmen einer Festfeier ihre Auszeichnung. Das ist ihr Eintritt in die Welt der Erwachsenen.

Nur ein Miteinander macht es möglich

Entscheidend für diesen alternativen Ritus ist die Frage, ob Eltern, Dorfälteste, Beschneiderinnen und Dorfbewohner ihn anerkennen und die Mädchen als heiratsfähige Erwachsene akzeptieren. Daher war es äußerst wichtig, diese Gruppen in die Suche nach einer Alternative direkt einzubinden. Medizinische Aufklärung, sachliche Informationen über die Folgen der Beschneidung und die Gefahr durch diese Behandlung zu sterben oder lebenslanges Leiden ertragen zu müssen, haben Veränderungen bewirkt.
Diese mühevolle Suche kann als erfolgreich bezeichnet werden, weil die Mädchen und jungen Frauen ohne Probleme wieder in den Kreis ihrer Familien aufgenommen worden sind, was die meisten von ihnen auch wollten. Sie sind nicht mehr den Repressalien ausgesetzt und haben auch durch die Schul- und Berufsbildung ein Stück persönlicher Freiheit gewonnen.

ADRA hat zu diesem Projekt eine DVD produziert. Diese kann direkt bei ADRA angefordert  werden.

++Spenden für Kajiado++

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