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21. Juni 2012

Dieser Artikel wurde am
21. Juni 2012 von Mirjam Greilich veröffentlicht.

Umweltgipfel 2012: War er vorbei, bevor er anfing?

Es gibt viele Namen für den am 20. Juni gestarteten Gipfel hochrangiger Staatsvertreter in Sachen Umweltfragen. Ob Rio+20, Umweltgipfel oder Nachhaltigkeitsgipfel. Doch schon bevor der Gipfel richtig startete, galt er bereits bei vielen als gescheitert. Die am Dienstagabend abgegebene Abschlusserklärung von Delegationen der UNO-Partnerländer beende den Gipfel, bevor er richtig angefangen habe. Stimmen wurden laut, das Dokument sei unkonkret und lasse viel Spielraum für Verbesserungen. Als Hilfsorganisation mit dem Ziel, Armut zu überwinden und nachhaltige Entwicklung zu fördern, fordert ADRA vor allem eines: Taten.

Über 190 Staats- und Regierungschefs nahmen an dem dreitägigen Gipfel teil. Doch auch 20 Jahre nach dem ersten Umweltgipfel in Rio de Janeiro, an dem sich die Teilnehmer in 27 Grundsätzen zum Schutz der Umwelt und zur nachhaltigen Entwicklung verpflichtet hatten, sind noch immer viele Probleme ungelöst. Jahrelang wurde der nachhaltigen Entwicklung keine Priorität eingeräumt.

Auch das UNO-Umweltprogramm (Unep) warnte in seinem kürzlich veröffentlichten Bericht "Geo-5", dass es bei einem Drittel der wichtigen Umweltziele in den vergangenen fünf Jahren keine Fortschritte gegeben habe. Umso unverständlicher ist es, dass das 56-seitige Abschlussdokument des Umweltgipfels kaum konkrete Forderungen und Lösungsansätze enthielt.

Noch enttäuschender als erwartet

Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO), bei dem auch ADRA Deutschland Mitglied ist, bewertete den Verlauf des Rio+20-Gipfels als "noch enttäuschender als ohnehin erwartet". Der Text sei ein "Ausdruck alten, überholten Denkens." Auch Entwicklungsminister Dirk Niebel äußerte in einem Spiegel-Interview, dass die bisherige Beschlussvorlage der UNO-Konferenz nicht ausreiche. Es dürften nicht nur schöne Ziele beschrieben werden, sondern es müsse auch drin stehen, wie und bis wann sie erreicht werden sollten. Außerdem müsse es einen Fahrplan geben, der die Millenniumsentwicklungsziele um Ziele nachhaltiger Entwicklung ergänze. (aus [1]) Diesen Forderungen stimmt ADRA uneingeschränkt zu.

Das eigentliche Ziel des Gipfels, aktiv Maßnahmen zu entwickeln, um den Klimawandel zu stoppen und die Zerstörung unseres Planeten aufzuhalten, scheint nicht/kaum berührt zu werden. Vor allem die ärmsten Länder der Welt erleben immer mehr Überschwemmungen, Stürme und Dürrekatastrophe. Am Beispiel der Hungersnot in der Sahelzone, von der über 13 Millionen Menschen betroffen sind, wird deutlich, dass die Menschen den Naturgewalten hilflos ausgeliefert sind. Es ist Zeit, endlich zu handeln. So sieht es auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von VENRO: "Es muss in naher Zukunft Zielmarken für alle Länder, für den schonenden Umgang mit Böden, Luft und Wasser und den sozialen Ausgleich geben", so Jürgen Reichel.

Die Unternehmen sollen es richten

Doch anstatt die im ersten Umweltgipfel festgeschriebenen Ziele anzusteuern und Selbstverpflichtungen zu formulieren, wird das Problem auf die Unternehmen abgewälzt. Ganz in diesem Sinne steht im Mittelpunkt des Umweltgipfel das Thema "green economy".  Doch wie ökologisch können wirtschaftlich denkende Firmen handeln? In jedem Fall ist es wichtig, dass sich die Unternehmen, die "green economy" betreiben, ihrer Verantwortung bewusst sind und sowohl den Schutz der begrenzten Naturressourcen der Erde, als auch soziale Gerechtigkeit und Überwindung von Armut gewährleisten – auch bei zuliefernden Unternehmen.

Für den Fall, dass der Umweltgipfel keine klaren Ziele festlegt, findet der VENRO-Vorsitzende Ulrich Post klare Worte: "Wenn die Verhandlungen […] erneut ohne greifbare Erfolge zu Ende gehen, dann steht damit auch diese Form internationaler Verhandlungsprozesse zur Disposition". Laut Post müsse dann nach alternativen Verhandlungsformen gesucht werden, die Legitimität und Effizienz besser miteinander verbinden würden. Der Gegengipfel zu Rio+20, der sogenannte Völkergipfel (Peoples Summit), hat genau diesen Anspruch. Er will darauf aufmerksam machen, dass es auch noch andere Ansätze neben "green economy" gibt, um die Entwicklung unseres Planeten nachhaltiger zu gestalten.

Als Hilfsorganisation erhofft ADRA von dem Umweltgipfel, dass alle Beteiligten bewusst an die Zukunft dieses Planeten denken und Entschlossenheit und Mut zum Handeln beweisen. Doch es ist fraglich, ob nach Absegnung des unkonkreten Abschlussdokuments im Vorfeld des eigentlichen Gipfels der Gipfel selbst überhaupt noch Veränderungen erwirken kann? Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.



[1] Bojanowski, Axel  (2012): "Dirk Niebel zum Rio+20-Gipfel - "Hilfe macht abhängig" URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/rio-20-entwicklungsminister-dirk-niebel-im-interview-a-838905.html [Stand: 20.06.2012]