Ob in der Zeitung, auf der Arbeit oder beim gemütlichen Plausch mit Freunden – in den letzten Tagen beherrscht vor allem ein Thema die Gespräche: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Was viele nicht wissen: Fußball ist in Afrika schon lange sehr beliebt.
Die Popularität des Fußballs ist in Afrika vor allem darauf zurückzuführen, dass die Ausübung des Sports einfach ist und vor allem nichts kostet. Als Ball wird alles genutzt, was rund ist – da muss auch mal ein zusammengeknoteter Haufen Plastiktüten herhalten. Und nicht nur die Männer jagen dem Ball hinterher: Auch immer mehr Frauen in Afrika finden Gefallen am Fußball.
Der Frauenfußball steckt in Afrika allerdings noch in den Kinderschuhen. Vielfach wird noch immer die Meinung vertreten, Frauen und Fußball, das gehöre nicht zusammen. Aber immer mehr Frauen brechen aus, aus diesem Gedankenmuster.
Auch die ADRA Mädchenschule in Kajiado, Kenia, hat eine Mädchenfußballmannschaft. Der Fußball bietet ihnen die nötige sportliche Betätigung und ist natürlich eine willkommene Abwechslung gegenüber der Schule. Außerdem lernen sie dabei, im Team zu agieren. Das stärkt den Zusammenhalt der Mädchen, die meist schon viel Negatives in ihrem Leben erfahren haben, bevor sie an die Mädchenschule kamen.
Die meisten Mädchen der Kajiado Mädchenschule sind vor der bevorstehenden Zwangsheirat oder Genitalbeschneidung geflohen. Die Mädchenschule in Kajiado bietet ihnen eine Zufluchtsstätte. 170 junge Mädchen, die von Zuhause weggelaufen sind, bekommen hier eine Unterkunft, Verpflegung und können sogar eine Ausbildung machen, um für ihre Zukunft vorzusorgen. Mit nur 20 Euro kann in Kajiado ein Mädchen einen ganzen Monat lang zur Schule gehen.
Neben dem Ziel, die Rechte der Mädchen zu verstärken, soll gleichzeitig ein kultureller Wandel erwirkt werden. Ein alternativer Ritus soll eingesetzt werden, um die Beschneidung unter den Massai endlich zu beenden. Doch wenn ein so tief in der Tradition der Gesellschaft verwurzelter Ritus verändert oder abgeschafft werden soll, bedarf es dem intensiven Austausch mit den Menschen. Nur durch das Bauen kommunikativer Brücken kann das nötige Verständnis in einer Kommune und Stammesgemeinschaft geschaffen werden.
Evelyn Brenda, Software Configuration Manager bei EUMETSAT und freiwillige Mitarbeiterin bei der Hilfsorganisation ADRA Deutschland, kommt selbst aus Kenia und kann daher die Situation der Frauen gut nachvollziehen.
"Es ist eine ruhige und genaue Aufklärung darüber notwendig, welche Auswirkungen die Genitalbeschneidung auf die Gesundheit der Frauen hat. Doch eine wirkliche Veränderung der Tradition ist ohne die Einwilligung und Mitwirkung der Männer völlig ausgeschlossen", so Brenda.
Es ist also wichtig, die Männer von Anfang an mit einzubeziehen, denn ihr Wort spielt eine große Rolle in den Familien.
"Im Gespräch mit den Frauen und Dorfältesten versuchen wir, die Gründe dafür zu verstehen, warum sie die Praxis der Beschneidung durchführen" sagt uns Evelyn Brenda. Die Antworten seien sehr interessant, so die gebürtige Kenianerin. Eine Frau der Dorfgemeinschaft sagte beispielsweise: "Dieses Verfahren wurde uns über viele Generationen weitergegeben. Doch wenn sich die Menschen da draußen keine Zeit nehmen, darüber nachzudenken, warum wir unsere Töchter diesem Ritus unterziehen, wenn sie glauben, wir wollten unsere Töchter verletzten oder wenn sie uns gleich hinter Gittern sehen wollen – dann machen wir zu und tun es heimlich weiterhin! Aber hier sehen wir Verständnis und deshalb sind wir bereit, zu diskutieren und eine Veränderung herbeizuführen".
Die Gespräche haben sich ausgezahlt und bei vielen Dorfältesten bereits das Verständnis für die Gefahren der Beschneidung bei Frauen geöffnet: In der Kajiado Mädchenschule wurde ein alternativer Ritus eingeführt, der den Mädchen auch ohne Beschneidung das Gefühl vermittelt, dass sie jetzt die Reife einer erwachsenen Frau erreicht haben.
Während der traditionellen Zeit der Beschneidung, Ende November, werden die Mädchen der Kajiado Mädchenschule für zwei Wochen intensiv darüber unterrichtet, was es heißt, eine Frau zu werden. Fragen der Gesundheit, Hygiene, Sexualität und Geburt werden durchgenommen und im traditionellen Kontext die Rolle der Frau und Mutter besprochen. Am Ende des Seminars steht eine große Abschlussfeier, zu der alle Eltern, Verwandte und Dorfbewohner eingeladen werden. In einem Festprogramm mit viel Musik und Ansprachen werden den Mädchen Urkunden übergeben, die ihre Reife zur Frau bestätigen. "Das ist ein unglaublicher Fortschritt in der Gesellschaft Kenias", so Evelyn Brenda.
Vor Jahren wurden wir noch als Feinde betrachtet, die das Leben und die Traditionen durcheinander brachten. Doch heute ist eine Brücke gebaut worden und damit hat ein neues Kapitel in dieser Kultur begonnen. Die Mädchen können auf eine bessere Zukunft hoffen.
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