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26. Oktober 2010

Dieser Artikel wurde am
26. Oktober 2010 von Mirjam Greilich veröffentlicht.
Projektförderer:
Aktion Deutschland hilft


Interview: Einen Monat als ehrenamtliche Helferin in Pakistan

Über zwei Monate ist es nun schon her, dass verheerende Wassermassen über große Teile Pakistans rollten und Millionen Menschen auf einen Schlag obdachlos machten. Was die Flutopfer seitdem dringend brauchen, sind hygienische Versorgungseinheiten, frisches Trinkwasser und eine Unterkunft. Ambrin Raja, gebürtige Pakistanerin und seit vielen Jahren in Deutschland ansässig, hat das Schicksal ihrer Landsleute so bewegt, dass sie sich bei ADRA als ehrenamtliche Helferin für Pakistan meldete. Wir haben mit Ambrin über die Beweggründe und Ziele ihrer Entsendung gesprochen.

Die Menschen in Pakistan haben kaum noch Hoffnung | Quelle: REUTERS/Athar Hussain - Kombo: Adra.de

 

ADRA: Frau Raja, Sie werden einen Monat lang das medizinische Einsatzteam von ADRA in Pakistan unterstützen. Was hat Sie dazu bewegt, sich auf diese sehr direkte Weise für die Menschen im Land zu engagieren?

Ambrin Raja: Meine Wurzeln liegen in Pakistan. Bewegt hat mich vor allem mein Mitgefühl für die Millionen von Menschen, die von der Flutkatastrophe betroffen sind – es ist wirklich Empathie. Es kann nicht sein, dass Menschen, die sowieso nur das haben, was sie am Leib tragen, auch noch das Wenige verlieren.

Ich habe momentan Urlaub und mir war sofort klar, diese Zeit muss ich nutzen und die Menschen in Pakistan aktiv unterstützen.

Mein Ziel ist es in erster Linie, so viel wie möglich zu bewegen und zu helfen. Selbst wenn ich nur einem kleinen Teil der viele Opfer helfen kann, so habe ich trotzdem etwas bewegt, denn die Menschen im Land schöpfen durch unsere Hilfe wieder Hoffnung – und diese Hoffnung brauchen sie jetzt. Ich will den Menschen dort zeigen, dass sie in ihrer Situation nicht alleine sind.

ADRA: Das Bild, das sich im August in Pakistan bietete, glich einer riesigen Seenlandschaft. Nur Baumkronen und einzelne Dächer unterbrachen die durchgängig bräunlichen Flächen – die Schlammmassen, die sich wie ein dicker Teppich über die Oberfläche des Landes gelegt hatten. Sie kennen Pakistan noch aus ihrer Kindheit. Wie würden Sie das Land aus Ihrer Erinnerung beschreiben?

Pakistan war immer ein wunderbar farbiges Land – alles war grün. Man konnte in die Weite schauen und sah nichts außer Land und roch den wunderbaren Duft des Sandes.

ADRA: Ihre Verwandten leben noch in Pakistan. Was haben sie über die Situation vor Ort berichtet?

Es ist katastrophal. Durch die Flutkatastrophe haben die unzähligen armen Menschen, die ohne hin nicht viel hatten, nichts, wirklich gar nichts mehr. Sie leben in Zelten an Straßenrändern. Überall sieht man Frauen mit Kindern – sie alle haben nichts zu essen. Das Leid kann man nicht in Worte fassen.

Wie können Sie persönlich den Menschen in Pakistan am besten helfen?

Ich werde bei dem mobilen Einsatzteam von ADRA eingesetzt. Durch meine medizinische Grundausbildung – das abgeschlossene Physikum - kann ich den Flutopfern in Pakistan Hygienetrainings geben.

ADRA: Können Sie kurz die kulturellen Besonderheiten Pakistans erläutern?

Die Situation in Pakistan ist sehr gespalten. Es gibt einerseits gebildete Menschen, die interkulturell sehr offen sind – es gibt aber auch die andere Art, die ländliche Bevölkerung, die noch stark an ihren traditionellen Wurzeln hängt und mit Menschen, die „anders“ sind, nichts anfangen kann. Die Menschen in dieser Kultur fühlen sich durch westliche Verhaltensweisen schnell beschämt.

Daher ist es wichtig, ihnen entgegenzukommen und sie nicht zu provozieren. Ich kenne dir kulturellen Gepflogenheiten und verstehe die pakistanische Volkssprache – Urdu. Daher kann ich auch als Bindeglied zu den Einheimischen fungieren.

Haben Sie keine Angst, dass die Situation vor Ort sie psychisch stark belasten wird?

Überhaupt gar keine. Wir haben früher schon in Armenlagern verteilt – ich kenne die Situation. Es berührt das Herz, aber in dem Moment denke ich einfach nur ans Helfen. Ich weiß, dass ich dort gebraucht werde und das ermutigt mich. Die einzige Sorge, die ich habe, besteht darin, dass mir evt. eine Mutter ihr Kind in den Schoß legt und sagt – "Nimm es mit". Aber ansonsten bin ich da sehr immun.

Wir bedanken uns bei Frau Raja für das Interview und wünschen ihr für ihren Aufenthalt in Pakistan viel Kraft und Erfolg.

 

Das Interview führte Mirjam Greilich.