
Ein Dach über dem Kopf, eine Mahlzeit auf dem Tisch, saubere Sanitäranlagen und ein Gefühl der Sicherheit – dies sind nur einige der Grundbedürfnisse des Menschen. Sie müssen aber gestillt sein, um ein weiteres notwendiges Bedürfnis des Menschen zu erfüllen - der Wunsch nach Bildung. Deshalb hat sich ADRA Deutschland zum Ziel gesetzt, diese Grundbedürfnisse zu erfüllen, um benachteiligten Menschen auf dieser Welt den Weg zu grundlegender Bildung zu ermöglichen, denn Bildung ist der Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung.
Der September steht ganz im Zeichen der Bildung: Am 8. September wird der Weltalphabetisierungstag begangen und am 15. September der Internationale Tag der Bildungsfreiheit. Doch obwohl das Recht auf Bildung in Artikel 26 der Menschenrechte verankert ist, können bis heute weltweit mehrere hundert Millionen Menschen weder lesen noch schreiben, zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Nach Angaben des UNESCO Weltbildungsberichts 2011 lebe die große Mehrheit (der Analphabeten) in Süd- und Westasien und in Subsahara-Afrika. Die arabischen Staaten wiesen ebenfalls hohe Raten auf. Doch ohne eine grundlegende Bildung bleibt eine selbstständige Lebensgestaltung versagt.
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ADRA Deutschland hat sich u.a. zur Aufgabe gemacht, diese Menschen zu unterstützen und ihnen eine umfassende Bildung zu ermöglichen, damit sie ihr leben selbstbestimmter führen können. Wie wir das umsetzen, zeigen z.B. die Bildungsprojekte von ADRA Deutschland, aus den letzten beiden Jahren.
In Albanien konnte ADRA eine Schule in Tirana mit 300 Schultischen und 60 Stühlen ausstatten. Außerdem unterstützt ADRA eine Vorschule für Roma-Kinder in Fushe-Kruje. 56 Kinder können sich dort auf den schwierigen Schulalltag vorbereiten, während ihre Mütter ebenfalls zur Schule gehen, um Lesen und Schreiben zu lernen.
Auch in Äthiopien wurde ADRA im vergangenen Jahr aktiv. Bei einem Projekt der entwicklungspolitischen Bildung und zum Kulturaustausch half die Darmstädter Adventjugend in Kooperation mit ADRA bei der Renovierung der adventistischen Schule in Fessa.
In Somalia baut ADRA Deutschland seit 2011 mit Unterstützung der Europäischen Union 71 Schulen und 24 Lernzentren auf. In diesem Land mit der niedrigsten Schulrate haben so besonders Frauen und Mädchen einen besseren Zugang zu Bildungsmaßnahmen.
Mit einem weiteren von der Europäischen Union unterstützten Programm hilft ADRA Deutschland Menschen, die auf Grund von Konflikten und Menschenrechtsverletzungen aus Myanmar nach Thailand geflohen sind und in Flüchtlingscamps leben. Sie haben kaum die Chance auf eine qualifizierte Berufsausbildung, um sich später – außerhalb des Lagers – eine Existenz aufzubauen. Über 6.200 Campbewohner erhalten von ADRA umfassende und bedürfnisorientierte Ausbildungsmöglichkeiten zum Friseur, Näher, Altenpfleger oder Automechaniker. Viele der Ausbildungsberufe sind vom thailändischen Bildungsministerium akkreditiert - das erhöht die Chance auf einen Arbeitsplatz.
Auch in Kenia verändert ADRA Deutschland Menschenleben und schenkt vor allem Kindern eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. In Kajiado unterstützt die Hilfsorganisation ein "Rescue Centre" für knapp 200 junge Frauen und Mädchen, die Zuflucht vor Zwangsehe und Genitalverstümmelung suchen. Neben Unterkunft und Verpflegung erhalten sie dort eine solide Schulbildung. Um die Einstellung der Menschen in Kajiado zur Frühheirat und Genitalbeschneidung zu verändern, informiert ADRA Deutschland die Frauen und Dorfältesten und klärt sie über die Folgen auf. Für das Projekt gewann ADRA Deutschland Ende 2011 den ersten Preis bei der Initiative "girls for girls" der Kosmetikmarke essence.
Das schwere Erdbeben in Haiti Anfang 2012 hat für ein Umdenken im Land gesorgt: Während der Hilfsmaßnahmen wurde auch ADRA Deutschland auf den Mangel qualifizierter Berufsausbildungen aufmerksam. Auf der Suche nach Handwerkern zum Bau von Übergangshäusern wurde deutlich, dass es in Haiti keine zertifizierten Berufsschulen für Handwerker gibt.
Diese Lücke wollte ADRA Deutschland schließen. Eine neuartige Bildungsidee entstand: auf Anfrage der Regierung startete ADRA Deutschland 2012 den Aufbau eines dualen Berufsbildungssystems in Haiti. Die Berufsbildungsstätte für Handwerker wird zum Pilotprojekt für eine fundierte und qualifizierte Ausbildung. Weitere Projekte, in denen Theorie und Praxis miteinander verzahnt werden, sollen folgen.
Mit dem Circus Waldoni startete ADRA 2010 eines der ersten ADRA-Bildungsprojekte in Deutschland. Es lief über 1 Jahr und unterstützte Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund auf ihrem Bildungsweg. Sie können den Hauptschulabschluss nachholen und so ihre Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt erhöhen. Die meisten Absolventen finden im Anschluss an das Projekt sofort einen Ausbildungsplatz.
Insgesamt konnte ADRA Deutschland mit diesen Projekten in den letzten beiden Jahren über 60.000 Kinder im Bereich Bildung unterstützen und ihnen notwendige Grundlagen vermitteln, auf die sie weiter aufbauen können.