04. Juni 2010 17:06 Alter: 91 days

Fußball-WM 2010 – eine Chance für Afrika?

In wenigen Tagen beginnt die Fußball-WM in Afrika - zum ersten Mal in der Geschichte dieses Kontinents. Afrika: Man will weg von den Klischees, die "Welt soll Afrika nicht mehr als armen und von Kriegen, Hungersnot und Seuchen gebeutelten Kontinent kennenlernen" (1). "Afrika ist mehr als Hunger, Kriege und Korruption", so betitelte die WELT eine ihrer Reportagen (2). Muss man Afrika neu sehen? Eine Bewertung von Erich Lischek, Geschäftsführer von ADRA Deutschland.

Gemeinsam für Afrika

Bundespräsident a. D. Horst Köhler startete die WM-Kampagne Kick-off von GEMEINSAM FÜR AFRIKA (Foto: Gemeinsam für Afrika)

Erich Lischek, Geschäftsführer von ADRA Deutschland

Ein Kontinent ohne Chance?

In den letzten 40 Jahren gab es in Afrika 80 Militärputsche und 30 Kriege, über zwei Dutzend Regierungs- und Staatschefs wurden umgebracht, so die Zeit (3). Dabei werden jene Konflikte nicht aufgezählt, die zu den "kleineren" Konflikten zählen wie z. B. Auseinandersetzungen an der Grenze zwischen Ruanda und dem Kongo, die Hunderte von Toten forderten. Jeder dritte Flüchtling stammt aus Afrika. Laut einer Studie von Nichtregierungsorganisationen haben Bürgerkriege und gewaltsame Konflikte zwischen 1990 und 2005 allein den afrikanischen Kontinent rund 211 Milliarden Euro gekostet.

"Mit dem Zweiten sieht man besser"

Dennoch wäre dieses Bild einseitig. Das "Kaijado-Projekt" von ADRA Deutschland zeigt, dass Veränderungen möglich sind. Hier wird in Kenia beispielhaft ein Ersatzritual für junge Frauen anstelle der Genitalverstümmelung durchgeführt. Weitere Beispiele sind Programme zur wirtschaftlichen Stärkung der Bevölkerung wie z. B. in Mosambik.

Ohne die Lage zu beschönigen, es gibt Erfolg versprechende Projekte, die ein anderes Afrika gestalten können. Denn nicht der (Un-)Wille zur Veränderung ist das Problem der afrikanischen Bevölkerung, sondern postkolonialistisches Verhalten westlicher Länder, die teilweise sogar Diktaturen an der Macht halten, um eine möglichst profitable Wertschöpfung zu haben. Gemeinsam mit dem Bündnis "Gemeinsam für Afrika" ruft ADRA Deutschland deshalb "zu einem Umdenken auf und will dem Bild des verlorenen Kontinents entgegenwirken und die Bevölkerung auf die Chancen Afrikas und die Potenziale seiner Menschen aufmerksam machen".  

Ein Fürsprecher geht von Bord

Umso mehr bedauert ADRA Deutschland den Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler, der auch Schirmherr des Bündnisses "Gemeinsam für Afrika" war. Horst Köhler hat sich als engagierter Schirmherr kontinuierlich und ernsthaft für die Verbesserung der Lebensumstände in Afrika eingesetzt. Mit seinem Engagement wollte er Interesse und Aufmerksamkeit für den Kontinent wecken und Politik und Wirtschaft zu einem veränderten Engagement für Afrika ermutigen.  

Fußball-WM 2010 – eine Chance!

Ja, die Fußball-WM 2010 kann eine Chance sein, wenn man Südafrika nicht mit Afrika gleichstellt.
Die Fußball-WM 2010 kann eine Chance sein, wenn man die Erfolge in Südafrika auch auf andere afrikanischen Staaten übertragen kann. Sie kann ein Erfolg sein, wenn man nach der WM nicht "ausschaltet" und "wegzippt" und Afrika vergisst. Nur ein ehrliches und engagiertes - auch politisches - Engagement bietet Afrika eine Chance.

Erich Lischek, Geschäftsführer ADRA Deutschland 

 

Quellen:

(1) Carina Tietz: Afrika-Schwerpunkte der ARD zur Fußball-Weltmeisterschaft. In: Touring-Afrika (26.03.2010), URL: http://www.touring-afrika.de/afrika-blog/2010/03/26/afrika-schwerpunkte-der-ard-zur-fusball-weltmeisterschaft/ (Abruf: 03. Juni 2010)

(2) Christian Henkel: Afrika ist mehr als Hunger, Kriege und Korruption. In : Welt Online (10.01.2010), URL: http://www.welt.de/sport/fussball/article5798773/Afrika-ist-mehr-als-Hunger-Kriege-und-Korruption.html (Abruf: 03. Juni 2010)

(3) Theo Sommer: Afrika - der verlorene Kontinent? In: Zeit Online, URL: http://www.zeit.de/2000/37/200038_sommer_indien.xml (Abruf: 03. Juni 2010)


 

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