10. Juni 2010 11:41 Alter: 85 days

Von: Mirjam Greilich

Katastrophenvorsorge in Indien

Der Staat Bihar gilt als einer der ärmsten und bevölkerungsreichsten Bundesstaaten Indiens. Etwa 1024 Einwohner leben zusammen auf einem Quadratkilometer. Nicht nur die Raumsituation ist verheerend, regelmäßig sind die Bewohner außerdem unterschiedlichsten Naturkatastrophen wie Flut, Erdbeben, Dürre und Feuer ausgesetzt.

Diese Katastrophen können nicht verhindert werden, aber es ist wichtig, die Bevölkerung entsprechend darauf vorzubereiten, damit diese lernt, mit den wiederkehrenden Gefahren zu leben. Notfall- und Evakuierungspläne werden benötigt, damit sie im Notfall schnell handeln können.

Junges Mädchen mit Schreibtafel | Quelle: ADRA Deutschland

Bildung ist ein wichtiges Gut - auch für die Ärmsten

Gefahrenkartierung zur Entwicklung von Evakuierungsplänen | Quelle: ADRA Deutschland

Zusammen mit ADRA Mitarbeitern werden Gefahrenkartierungen zur Entwicklung von Evakuierungsplänen durchgeführt

Studenten eines nichtformalen Bildungszentrums in Bihar | Quelle: ADRA Deutschland

Studenten eines nichtformalen Bildungszentrums in Bihar

Musahar - die "Unberührbaren"

ADRA arbeitet in einem Gebiet in Bihar, in dem vor allem die Musahar leben, eine Unterkaste der Dalit - der "Unberührbaren". Sie werden von den meisten anderen Kastenmitgliedern als unwürdig und unrein angesehen und dementsprechend schlecht behandelt. Das geht so weit, dass sogar die Berührung mit dem Schatten eines Unberührbaren vermieden wird. Musahar sind landlos und dürfen nur die niedrigsten Arbeiten verrichten - ihre Bildung ist katastrophal. Viele Kinder haben niemals eine Schule besucht. Keine guten Voraussetzungen für Menschen, die immer wieder großen Naturkatastrophen ausgesetzt sind.

DIPECHO-Projekt in Bihar

Um die Menschen auf mögliche Katastrophen vorzubereiten, hat ADRA in Bihar ein sogenanntes Disaster Prepardness-Projekt gestartet. Das Projekt wird finanziert durch das DIPECHO-Programm  des Amtes für humanitäre Hilfe der EU Kommission (ECHO). Ziel ist es, einfache, preiswerte Maßnahmen zur Vorsorge einzuleiten, die durch die Dorfbevölkerung selbst durchgeführt werden können. Insgesamt können bei diesem Projekt ca. 50.000 Menschen in Bihar über 15 Monate auf eine Katastrophensituation vorbereitet werden.

Entwicklung von Notfall- und Evakuierungsplänen

Seit ca. einem Jahr schulen Mitarbeiter von ADRA die Bevölkerung in Bihar für den Katastrophenfall. Dabei werden unter anderem Gefahrenkartierungen vorgenommen, damit die Dorfbevölkerung selbst Pläne und Karten über die Gefahrenlage im Land erstellen und daraus Notfall- und Evakuierungspläne entwickeln kann. Zusätzlich werden die bestehenden Notfall-Kommunikationssysteme überprüft und Unterstützung für die Erarbeitung eines funktionierenden "Early Warning Systems" gegeben. Bisher gelangte das Gefahrensignal nur über Umwege - und dadurch viel zu spät oder gar nicht - zu den Menschen.

Bildung – ein wichtiges Gut

Ein besonderes Augenmerk des DIPECHO-Projekts liegt auf der Bildung. Die Lehrer der 18 Bildungszentren (NFE) werden geschult, um den Kindern Allgemeinbildung und Wissen über Katastrophenvorsorge zu vermitteln. Diese Weitergabe von Wissen und Werten an die Jüngsten ist besonders wichtig, um langfristig eine Bewusstseinsveränderung zu erwirken. Die Kinder geben ihr Wissen an ihre Eltern und Geschwister weiter und wirken so als Multiplikatoren. Außerdem wird der Bevölkerung durch Straßentheater, Puppenspiele und Aufklärungskampagnen die Bedeutung der Katastrophenvorsorge deutlich gemacht.

Weitere Maßnahmen

Der Bau von Toiletten und Unterkünften soll die hygienische Situation der Menschen in den Dörfern verbessern und einen besseren Schutz im Fall von Katastrophen bieten. Zusätzlich werden spezielle Fernsehshows vorgeführt, die die Menschen schulen und für die Katastrophenvorsorge sensibilisieren.

Ein spezielles Training erhalten 1229 Mitglieder von Schnelleingreitruppen. Sie sind für den besonderen Schutz der Bevölkerung zuständig und leisten im Falle einer Katastrophe schnelle und koordinierte Hilfe. 

Ein besonderer Dank geht an ECHO, dem Amt für humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission, das das Projekt finanziell unterstützt, sowie an alle weiteren Spender.

 


 

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